Voice Search: Alexa, bestelle mir …

Spätestens seit Siri im iPhone oder Cortana in Windows wohnt, ist die Suche per Sprachbefehl im Mainstream angekommen. Allein im Jahr 2016 wurden etwa 20 Prozent der mobilen Suchanfragen per Spracheingabe getätigt.

Sprechen ist das neue Tippen. Bei der Suche mit Sprachbefehlen basieren die Suchanfragen nicht mehr auf der textlichen Eingabe, sondern auf der Suche mit der Stimme. Voice Search kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn der Nutzer keine Hand zum Tippen frei hat oder sich mit dem Tippen auf bestimmten Mobil­geräten schwertut. Nutzer suchen via Sprachassistent hauptsächlich nach Telefonnummern, Adressen oder Songs.

Und während man im Durchschnitt nur etwa 40 Wörter pro Minute tippen kann, ist es möglich, bis zu 150 Wörter in derselben Zeit zu sprechen. Da der Sprachassistent vergangene Sprachbefehle speichert, kann der Nutzer darüber hinaus bei erneuten Anfragen auf Vergangenheitsdaten zurückgreifen. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass der Sprachassistent das Geschlecht des Users erkennen kann. Folglich werden dann geschlechterspezifische Suchergebnisse ausgespielt.

Sprachsuchen sind meist lokal und mobil

Für Webseitenbetreiber bedeutet das: Umdenken im Bereich SEO und SEA! Bei der Audiosuche stehen nun nicht mehr einzelne Stichworte als Keywords, sondern ausformulierte Fragestellungen im Fokus. Häufig werden W-Fragen gestellt. Während der Nutzer sich beim Eintippen in den Suchschlitz angewöhnt hat, die Suchmaschine mit einzelnen Keywords zu füttern, wird bei der Suche durch Sprachbefehle ein semantisch natürlicher Monolog geführt. Aus „Friseur München“ könnte „Wo finde ich den nächsten Friseur in München?“ werden.
Die Semantik des Kontextes rückt also immer stärker in den Vordergrund. Eine bloße Keyword-­Optimierung tritt langsam in den Hintergrund. Suchmaschinen fassen die Semantik und In­tention hinter einer sprachgesteuerten Suchanfrage auf und erkennen zunehmend besser, wonach genau ein Nutzer sucht.

Stellschrauben in Richtung Voice Search drehen

Ebenso ist es nun möglich, die Stimme des Sprechenden zu analysieren. Je nachdem, ob ein Mann oder eine Frau nach Schuhen sucht, werden entsprechende Ergebnisse für Damen- oder Herrenschuhe ausgespielt. Um die Website auch für Nutzer, die per Sprachbefehl suchen, besser sichtbar machen, müssen Händler ein paar Stellschrauben in Richtung Voice Search drehen:

»  Webseitentexte müssen gezielt Antworten auf Fragen der Suchmaschinennutzer liefern. Unternehmen sollten überlegen, welche Fragen die Zielgruppe zum Produkt/Thema haben könnte und diese Fragen gezielt in einem Artikel beantworten.
» Die am häufigsten gestellten Fragen können mittels FAQs beantwortet werden. Online-Foren können dabei helfen, den richtigen Content für die FAQs zu generieren. Hier diskutieren Nutzer miteinander und tauschen sich über aktuelle Themen aus, für die sie sich interessieren.
» Wichtig sind zudem eigene Google-AdWords-Kampagnen oder Anzeigengruppen für Voice-Anfragen, die fragewortbasierte Keywords beinhalten. Anstatt also hier auf Money Keywords zu setzen, liegt der Fokus bei den Optimierungen auf Conversa­tional Keywords. Auch Longtail Keywords sollten berücksichtigt werden.

Auch für Webseitenbetreiber mit kleinem SEA-Budget macht eine Optimierung in Richtung Voice Search Sinn. Wie das funktioniert, zeigt das Beispiel eines Sportbekleidungsanbieters. Eine Recherche in Sport- und Fitnessforen zeigt auf, dass sich die Kunden insbesondere für die Funktionalität von Sportkleidung interessieren. Die Webseitentexte sollten also als erstes die Funktionalität der Sportbekleidung berücksichtigen. Im FAQ-Bereich sollten Frage-Antwort-Blöcke dazu geschaffen werden.

Noch gibt es keine Funktion in Google Ads (ehemals AdWords), die gezielt anzeigt, welche Suchanfragen gesprochen und welche getippt waren. Es gibt nur die Ankündigung, dass Google bereits an einem Voice Search Reporting arbeitet. Um jetzt schon herauszufinden, welche Suchan­fragen über Voice Search ­gekommen sind, lohnt es sich, im AdWords-Konto einen Blick auf die tatsächlichen Suchbegriffe zu werfen. Das sind die Suchan­fragen, die die Nutzer in den Suchschlitz bei Google eingegeben haben. Begeben Sie sich ­dabei auf die Suche nach Longtail-Suchanfragen und nach Begriffen, die W-Fragewörter beinhalten. Anfragen wie „Warum sollte Sportkleidung funktionsfähig sein?“ oder „Nächster Shop für Sportbekleidung“ können auf eine gesprochene Suchanfrage hindeuten. Filtern Sie solche Suchbegriffe heraus und ziehen Sie sie für den Aufbau von Kampagnen und Anzeigengruppen zum Thema „Funktionalität der Sportbekleidung“ heran.

Anzahl an Suchanfragen per Sprache noch gering

Noch ist die Anzahl an Suchanfragen per Sprache zu gering, um ein ganzes SEA- oder SEO-Modell darauf aufzubauen. Händler sollten das Thema Voice Search aber nicht einfach ignorieren und mittels Voice-Search-optimierten Seiten bereits jetzt das Nutzer­erlebnis bei Suchanfragen über Sprachbefehl verbessern.

Da Google bekanntlich nutzerfreundliche Seiten besser bewertet und mit höheren Rankings belohnt, liefern schon heute Voice-Search-optimierte Seiten den mobilen Nutzern unterwegs bessere Suchergebnisse als Seiten, die noch keine Voice-Search-Optimierung in Angriff genommen haben. Daran wird deutlich, dass Voice Search mit hoher Wahrscheinlichkeit das Online-Marketing in Zukunft grundlegend beeinflussen wird!